Abwärme ermitteln: So ermitteln Sie Ihre verfügbare Abwärmemenge

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Industrielle Prozesse setzen oft erhebliche Wärmemengen frei, die ungenutzt als Abwärme entweichen. Wer dieses Energiepotenzial nutzen will, muss wissen: Wie viel Abwärme steht zur Verfügung? Die präzise Ermittlung ist essenziell, sei es zur Auslegung eines Wärmetauschers oder zur Einhaltung gesetzlicher Vorgaben wie dem Energieeffizienzgesetz (EnEfG). In diesem Beitrag zeigen wir, wie Sie Ihre Abwärmemenge mit Formeln, Beispielen und einem Online-Rechner berechnen – und dabei konkrete Einsparpotenziale erkennen.

Kurz und knapp: das Wichtigste zur Berechnung der Abwärme auf einen Blick

Unentdeckte Abwärme ist verlorene Energie. Die systematische Berechnung ist der erste Schritt zur Einsparung und Effizienz.

Ab einem Verbrauch von 2,5 GWh jährlich besteht eine Meldepflicht für Abwärmequellen und -pläne.

Abwärmequellen > 25 °C mit > 200 MWh/a, z. B. Abluft, Abwasser, Prozesswärme.

Die Grundformel:
Q = m × c × ΔT
(Wärmemenge = Masse × spezifische Wärmekapazität × Temperaturdifferenz)

Sie reduziert Kosten, erfüllt gesetzliche Vorgaben und amortisiert sich meist in wenigen Jahren.

Nutzen Sie unterstützende Tools wie Online-Abwärme-Rechner, um Potenziale direkt zu ermitteln oder lassen Sie sich individuell beraten.

Abwärme-Rechner: Schnelle Berechnung mithilfe des Online-Tools

Der Abwärme-Rechner des Umweltpakts Bayern ist ein einfaches, praxisnahes Tool zur schnellen Ermittlung von Abwärmepotenzialen – ideal zur Vorbereitung auf EnEfG-Anforderungen.

Warum dieses Tool?

Mit dem Online-Abwärmerechner können Sie Ihre Abwärme berechnen, ohne eigene Formeln anwenden oder tief in technische Datenblätter eintauchen zu müssen. Besonders hilfreich ist die strukturierte Benutzerführung, die Sie Schritt für Schritt zur Auswertung begleitet

So funktioniert die Berechnung in wenigen Schritten:

Wählen Sie zuerst die Sprache und anschließend Ihre Branche

oder den Prozess aus, der Abwärme erzeugt (z. B. Druckluftanlagen, Kompressoren, Abluftsysteme, Trocknungsprozesse).

Geben Sie die wesentlichen Betriebsdaten ein

z. B. Temperaturdifferenz, Laufzeit, Volumen- oder Massenstrom.

Das Tool berechnet automatisch

die Abwärmemenge in kWh oder MWh pro Jahr und zeigt zusätzlich an, ob die Schwellenwerte laut EnEfG überschritten werden.

Optional: PDF-Auswertung

ideal für die interne Dokumentation oder als Gesprächsgrundlage für Ihre Energieberatung eignet.

Tipp:

Selbst wenn Sie (noch) nicht zur Abwärmeerfassung verpflichtet sind, liefert Ihnen die Nutzung des Rechners wertvolle Erkenntnisse über ungenutzte Energiepotenziale in Ihrem Betrieb.

Was ist Abwärme – und warum ist ihre Nutzung wichtig?

Was ist mit Abwärme gemeint?

Abwärme ist thermische Energie, die bei industriellen oder gewerblichen Prozessen entsteht und bislang ungenutzt bleibt, wie etwa in Abluft, Abwasser oder an heißen Oberflächen. Wird sie zurückgewonnen, lässt sich daraus Heiz- oder Prozesswärme erzeugen.

Potenziale der Abwärmenutzung in Industrie und Gewerbe

Die Potenziale der Abwärmenutzung sind enorm, besonders in energieintensiven Branchen wie der Chemie, Metallverarbeitung, Lebensmittelindustrie oder Oberflächentechnik. Studien zeigen: Rund 15 bis 25 % des industriellen Energieverbrauchs gehen ungenutzt als Abwärme verloren.

Durch eine gezielte Analyse und das Berechnen der Abwärme lassen sich diese Energiemengen identifizieren und effizient zurückgewinnen. Hier kommen dann Kunststoff-Wärmetauscher in Lüftungssystemen, Prozessleitungen oder Kondensationsanlagen zum Einsatz.

Das Ergebnis: reduzierte Betriebskosten, sinkende CO₂-Emissionen und ein echter Wettbewerbsvorteil besonders für Unternehmen, die auf Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz setzen.

Identifikation von Abwärmequellen

Abwärme steckt in nahezu jedem industriellen Prozess, oft auch unbemerkt. Eine gezielte Identifikation ist der erste Schritt zur Rückgewinnung.

Wo entsteht Abwärme? Typische Quellen im Betrieb

Abwärme fällt immer dann an, wenn ein Prozess Energie umsetzt. Sei es mechanisch, thermisch oder chemisch. Typische Abwärmequellen in Industrie- und Gewerbebetrieben sind:

Abluftanlagen (z. B. aus Trocknungs- oder Lackieranlagen)
Dampf- und Heißwassersysteme, insbesondere bei ungedämmten Leitungen
Kühlprozesse, z. B. an Kompressoren, Maschinen oder in Kälteanlagen
Abwasser mit erhöhten Temperaturen, z. B. aus Reinigungs- oder Produktionsschritten
Abwärme aus Öfen, Pressen oder Reaktoren
Elektrische Verbraucher mit hohen Verlustleistungen (z. B. Transformatoren)

Oft ist die Abwärme nicht sichtbar, aber messbar. Sie verbirgt sich in Volumenströmen, Temperaturdifferenzen und ungenutzten Prozessmedien.

Wie erkennen Sie ungenutzte Abwärmequellen?

Temperaturen >25 °C an Abluft-, Abwasser- oder Medienleitungen
Kontinuierlich laufende Systeme mit hohem Energieeinsatz
Hohe Energieverbräuche, die keinen direkt erkennbaren Nutzen im Produkt liefern
Thermografie oder Infrarotbilder, die Temperaturverluste sichtbar machen
Fehlende Rückwärmezahlen in Ihrer Lüftungs-, Heiz- oder Prozesswärmetechnik

Mit systematischer Analyse und Tools wie dem Online-Rechner lassen sich belastbare Entscheidungsgrundlagen schaffen.

Sie wollen Ihre Abwärme berechnen – oder direkt nutzbar machen? Dann melden Sie sich gerne bei uns für eine individuelle Beratung!

So berechnen Sie ihre Abwärme manuell

Nicht in jedem Fall ist eine Software oder ein Tool notwendig. In vielen Anwendungen lässt sich die Abwärme manuell berechnen, sofern die erforderlichen Prozessdaten vorliegen. Gerade für eine erste Potenzialabschätzung in Industrieanlagen ist diese Methode hilfreich und liefert belastbare Orientierungswerte.

Wichtige Parameter für die Berechnung

Um die thermische Energie einer Abwärmequelle zu berechnen, benötigen Sie drei zentrale physikalische Größen:

Temperaturdifferenz (ΔT)

Die Differenz zwischen Ein- und Austrittstemperatur des Mediums (in °C oder K). Sie gibt an, wie viel Wärmeenergie das Medium aufgenommen oder abgegeben hat.

Massenstrom (ṁ) oder Volumenstrom (V̇)

Gibt an, wie viel Medium pro Zeiteinheit durch das System fließt, meist in kg/h (Massenstrom) oder m³/h (Volumenstrom). Bei Volumenstrom ist zusätzlich die Dichte des Mediums erforderlich.

Spezifische Wärmekapazität (c)

Diese beschreibt, wie viel Energie benötigt wird, um ein Kilogramm des Mediums um ein Kelvin zu erwärmen. Für Wasser beträgt dieser Wert ca. 4,18 kJ/(kg·K).

Wenn Sie Ihre Abwärme berechnen möchten, sollten diese Parameter möglichst exakt bekannt sein oder durch praxisnahe Erfahrungswerte abgeschätzt werden.

Formel mit Beispielrechnung

Die grundlegende Formel zur Berechnung der Wärmeleistung (Q̇ ) lautet:
Q̇ = ṁ × c × ΔT

Dabei steht:

  • Q̇ für die übertragene Wärmeleistung in Kilowattstunden (kWh)
  • ṁ für den Massenstrom in kg/h
  • c für die spezifische Wärmekapazität in kJ/(kg·K)
  • ΔT für die Temperaturdifferenz in K oder °C

Beispielrechnung
Ein Betrieb leitet 1.500 kg/h warmes Abwasser mit einer Temperatur von 60 °C in die Kanalisation. Die Umgebungstemperatur beträgt 20 °C. Gesucht ist die thermische Energie, die über das Abwasser verloren geht.

Gegeben:

  • ṁ = 1.500 kg/h
  • c = 4,18 kJ/(kg·K)
  • ΔT = 60 °C – 20 °C = 40 K

Berechnung:
Q̇ = 1.500 × 4,18 × 40 = 250.800 kJ/h

Umrechnung in Kilowattstunden:
250.800 kJ/h ÷ 3.600 = 69,67 kW

Ergebnis:
Pro Stunde gehen rund 70 kW an Abwärme über das Abwasser verloren, was ein erhebliches Potenzial für Wärmerückgewinnung darstellt.

Diese einfache Methode zeigt: Schon mit wenigen Kennwerten können Sie Ihre Abwärme berechnen und damit die Grundlage für technische oder wirtschaftliche Entscheidungen schaffen. Calorplast unterstützt Sie dabei, mit maßgeschneiderten Wärmetauscherlösungen für anspruchsvolle Industrieumgebungen, diese Potenziale effizient zu nutzen.

Wirtschaftliche Aspekte der Abwärmenutzung

Die Rückgewinnung industrieller Abwärme bietet handfeste finanzielle Vorteile – durch geringere Energiekosten und kürzere Amortisationszeiten.

So lohnt sich die Nutzung von Abwärme

Die Einbindung eines Wärmerückgewinnungssystems, beispielsweise durch korrosionsbeständige Kunststoff-Wärmetauscher von Calorplast, ermöglicht es, bislang ungenutzte thermische Energie für andere Prozesse nutzbar zu machen. Ob zur Vorwärmung von Frischluft, zur Prozesswärmebereitstellung oder zur Heizungsunterstützung. Die Möglichkeiten sind vielfältig.

Beispielhafte Kosten-Nutzen-Betrachtung
Ein mittelständisches Unternehmen gewinnt aus seiner Abluftanlage rund 70 kW pro Stunde an nutzbarer Abwärme zurück. Bei 6.000 Betriebsstunden jährlich und einem angenommenen Energiepreis von 10 ct/kWh ergibt sich:

  • Energieeinsparung pro Jahr: 70 kW × 6.000 h = 420.000 kWh
  • Kosteneinsparung pro Jahr: 420.000 kWh × 0,10 €/kWh = 42.000 €

Selbst bei Investitionskosten von 100.000 € für Wärmetauscher, Installation und Einbindung ergibt sich eine Amortisationszeit (ROI) von unter 2,5 Jahren, ohne Berücksichtigung möglicher Fördermittel oder CO₂-Einsparungen.

Die energetische Amortisation erfolgt häufig schon nach wenigen Monaten, insbesondere in kontinuierlich betriebenen Anlagen mit hohen Abwärmeströmen.

Förderprogramme & finanzielle Unterstützung

Für Unternehmen, die ihre Abwärme berechnen und nutzen möchten, stehen verschiedene Fördermöglichkeiten zur Verfügung. Diese Programme unterstützen Investitionen in Wärmerückgewinnungssysteme, energetische Optimierung und messtechnische Erfassung.

Aktuelle Förderprogramme im Überblick

BAFA – Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle

  • Zuschüsse für investive Maßnahmen zur Abwärmenutzung im Rahmen der Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft (EEW)
  • Förderhöhe: bis zu 40 % der förderfähigen Kosten

KfW-Förderprogramme (z. B. KfW 295)

  • Zinsgünstige Kredite mit Tilgungszuschüssen für energieeffiziente Maßnahmen
  • Kombinierbar mit BAFA-Zuschüssen

Landesförderungen

  • Je nach Bundesland zusätzliche Unterstützung für KMU, z. B. durch Umweltministerien oder regionale Energieagenturen

Voraussetzungen:
Die meisten Programme setzen eine fundierte Planung voraus, inklusive Nachweis über Einsparpotenzial (z. B. durch eine Abwärmeberechnung), Wirtschaftlichkeitsbetrachtung und technische Umsetzbarkeit. Eine frühzeitige Antragstellung ist zwingend erforderlich.

Tipp:

Calorplast unterstützt Sie nicht nur bei der technischen Auslegung, sondern auch bei der Fördermittelberatung für einen nahtlosen Übergang von der Idee zur Umsetzung.

Fazit: Abwärme berechnen heißt Energiepotenziale nutzen

Die Berechnung von Abwärme ist weit mehr als eine technische Pflichtübung – sie ist der Schlüssel zu mehr Energieeffizienz, geringeren Betriebskosten und nachhaltiger Prozessoptimierung. Ob mithilfe eines Online-Rechners oder durch eine manuelle Abschätzung: Wer seine Abwärmequellen systematisch erfasst, schafft die Grundlage für wirtschaftliche Wärmerückgewinnung und erfüllt zugleich gesetzliche Anforderungen wie das EnEfG. Besonders in Industrieunternehmen steckt hier oft ein enormes ungenutztes Einsparpotenzial. Mit der richtigen Analyse und passenden Wärmetauscherlösungen kann Abwärme zu einer wertvollen Ressource werden – und Calorplast unterstützt Sie gerne dabei, diese Energie sinnvoll nutzbar zu machen.

Sie suchen Wärmetechnik für Ihr Unternehmen? Dann melden sie sich gerne bei uns!